Die erfolgreiche Theatersaison 2025 des Theater Auw wurde an einem Abschlussabend gefeiert. Im Zentrum stand dabei auch die offizielle Verabschiedung von zwei Mitgliedern, die mit Ihrem Engagement über Jahrzehnte das Theaterleben in Auw geprägt haben.

Die ganze Theatergruppe traf sich zu einem gemeinsamen Abend und wurde vom Präsidenten Ludwig Stecher, neben einem feinen Nachtessen, mit einem unterhaltsamen Rückblick auf das Theater vom letzten November verwöhnt. Er bedankte sich bei allen Mitgliedern der Theatergruppe für ihre verschiedenen Aufgaben sowie beim OK für die gute Zusammenarbeit. Alles hatte gut geklappt, die Aufführungen waren sehr gut besetzt und meist ausverkauft, die Stimmung war stets gut und die Rückmeldungen der Besucher überaus positiv.

Einen besonderen Dank sprach er der abtretenden Regisseurin Hanna Gehrig aus. Sie führte bei 25 Produktionen Regie und prägte damit eine lange Epoche am Theater Auw. In ihren Worten an die Anwesenden zeigte sie anhand eindrücklicher Zahlen auf, wie ihre Zusammenarbeit über die vielen Jahre statistisch verlaufen ist. Für 178 Aufführungen hat sie mit 55 Akteuren 285 Rollen besetzt, im OK mit 23 Mitgliedern das Theater organisiert und zahlreiche treue Mitwirkende auf und neben der Bühne erleben dürfen. Sie war selbst beeindruckt von den tollen, motivierten und wertvollen Engagements der Mitglieder und bedankte sich herzlich dafür.

Mit ihr geht auch Christian (Chrigu) Arnet, ihr Lebenspartner, in Pension. Er verantwortete bei den 25 Produktionen von Hanna die Bühnentechnik. Vor dieser Zeit war er schon viele Jahre als Spieler und vor allem als Bühnenbauer für das Theater Auw engagiert was eine beeindruckende Zahl von über 55 Jahren ergibt. Ein wahrhaft treues Mitglied und ein fester Felsen in der Theatergeschichte von Auw.

Der Präsident überreichte beiden ein Geschenk, mit dem sie sich regelmässig an ihre vielen Jahre Theater Auw erinnern dürfen. Herzliche Gratulation und ein grosser Dank an die beiden für ihr jahrzehntelanges Engagement.

Interview Hanna und Chrigu

Wie geht es euch nach der letzten Aufführung und dem Ende eures aktiven Engagements für das Theater Auw?

Hanna: Sehr gut, ich spüre Erleichterung. Der latente Druck der letzten Aufführung, die Rollenbesetzung, die offenen Positionen im OK haben mich beschäftigt. Mit dem tollen Erfolg der letzten Saison konnte ich nun sehr gut abschliessen.

Chrigu: Mir geht es auch sehr gut. Mir wird gerade bewusst, dass ich über 55 Jahre im Theater Auw aktiv war – angefangen als junger Kerl 1967 beim Bühnenbau, damals noch im Hirschen Saal. Es ist ein gutes Gefühl und bin auch etwas stolz.

 

Wie bist du Hanna in die Regiearbeit in der Theatergruppe Auw gelangt?

Ich begann 1987 im Theater Auw als Souffleuse im Stück «Gotthardpost. Die Regieassistenz im Freilichttheater Meienberg führte mich schliesslich zur Regietätigkeit. 1998 übernahm ich die Regie in Auw und führte diese danach bei total 25 Produktionen weiter.

 

Hattet ihr vorab eurer Hauptfunktion selber aktiv auf der Bühne gespielt?

Hanna: Ja, an meinem früheren Wohnort in Ammerswil 1979/80. Und 1998 hatte ich neben der Regieassistenz eine kleine Rolle in Meienberg im Freilichttheater.

Chrigu: Ja, 1969 hatte ich meine erste Rolle, damals noch im Hirschen Saal.

 

Was bedeutet für dich Theater generell und spezifisch das Volkstheater?

Hanna: Für mich soll Volkstheater unterhaltsam sein, Menschen zusammenzubringen und Freude schenken – damit Besucherinnen und Besucher mit Freude und Zufriedenheit nach Hause gehen. Es geht darum, auf der Bühne etwas Gemeinsames entstehen zu lassen, es weiterzuentwickeln und das bestmögliche Resultat zu erreichen.

Chrigu: Das Wichtigste ist, dass die Menschen lachen dürfen, sich wohlfühlen und zufrieden nach Hause gehen können.

 

Was definiert in all den Jahren deine Regietätigkeit am stärksten? Was war dir wichtig?

Hanna: Die Rollenbesetzung ist entscheidend. Es ist mir immer gut gelungen, die richtigen Menschen in die entsprechenden Rollen zu bringen. Mir war auch wichtig, dass das Stück einen roten Faden hat und eine Logik erkennbar war. Szenen dürfen nicht nur dem Klamauk dienen, sondern müssen auch nachvollziehbar sein und aus dem Leben betrachtet, authentisch sein.

 

Welche Erfolge waren für dich besonders bedeutsam – für welches Theaterstück würdest du gerne noch einmal Regie führen?

Hanna: Erfolg hatten wir mit allen Inszenierungen. Das Stück «Haus von Montevideo», bei dem 12 Kinder u. Jugendliche auf der Bühne standen, war besonders – speziell auch, dass die Kinder nach dem 1. Akt sicher nach Hause kommen, das war mir wichtig. Bei diesem Stück waren damals viele Leute auf der Bühne, das war herausfordernd.

Chrigu: Ein Bühnenbild zu verändern war immer herausfordernd, hat aber auch viel Spass gemacht. Beim Stück «Haus in Montevideo» war auch das Bühnenbild anspruchsvoller, da es mehr Helfer brauchte und speziell koordiniert werden musste.

 

Könnt ihr euch an eine spezielle Herausforderung erinnern, die ihr überwinden musstet?

Hanna: Ja, bei den langjährigen Spielern die Akzeptanz aufzubauen, meinen etwas anderen Stil einzubringen und Gewohnheiten etwas abzubauen, das war herausfordernd. Ich musste selber auch dazulernen.

Chrigu: Jederzeit ein Bild vor Augen haben, welche Requisiten es für eine angepasste Bühnenkulisse braucht, das hat uns schon immer wieder gefordert. Das hat mich aber auch wachgehalten und war für mich stets eine reizvolle und positive Aufgabe.

 

Hattest du in all den Jahren viele (Übernahme) Angebote von anderen Theatergruppen?

Hanna: Nein, ich hätte aber auch keines angenommen. Mir hat es in Auw immer Spass gemacht.

 

Wie hat sich dein Stil als Regisseurin in all den Jahren verändert / entwickelt?

Hanna: Ich bin meinem Stil treu geblieben. Anpassungen habe ich vor allem mit Unterstützung von Videostudium vorgenommen. Mir war das Tempo auf der Bühne immer wichtig, eine Rolle muss gelebt werden. Ich wollte den Spielern nichts aufzwingen, sie konnten ihren Input jederzeit einbringen. Spieler müssen sich auf der Bühne wohl fühlen.

 

Wie hast du die Zusammenarbeit mit den Spieler*innen erlebt? Gibt es dazu spezielle Episoden, die dir immer in Erinnerung bleiben?

Hanna: Die Zusammenarbeit war wirklich immer gut und das habe auch sehr geschätzt. Ich spürte Vertrauen und Akzeptanz. Es gab aber auch einzelne Herausforderungen. Eine Episode daraus: Nach einer Probe rief ich nachts um 23 Uhr einen Spieler an um diesen auf eine Situation aus der Probe anzusprechen. Mir war wichtig, Dinge sofort zu klären und die Zusammenarbeit fruchtbar zu machen. Das angesprochene Telefonat damals war sehr positiv und löste einen schon länger vorhandenen Knoten.

 

Was war dir wichtig, wenn du jeweils in die Proben oder zu den Aufführungen gingst? Wie hast du dich vorbereitet?

Hanna: Früher mit vielen Handnotizen und später mit Videoaufnahmen. Und vielen Überlegungen, wo ich in den Rollen und Szenen noch optimieren kann.

 

Was hat sich über die Jahre im Volkstheater spürbar verändert?

Hanna: Die typischen Bauernschwanks wo viele Spieler auf der Bühne stehen, sind eher selten geworden und nicht mehr zeitgemäss. Das ist sicher auch der verfügbaren Zeit geschuldet – die Menschen haben leider immer weniger Zeit. Auch die Themen haben sich geändert und widerspiegeln den heutigen Zeitgeist.

Chrigu: Die Stücke sind auch kürzer geworden, was zeitgemässer ist. Früher dauerte eine Theateraufführung oft bis kurz vor Mitternacht oder darüber hinaus. Damals gab es vorab des Theaters noch eine Turnervorstellung.

 

Welche Tipps kannst du mit deiner grossen Erfahrung an junge Regisseure weitergeben?

Hanna: Du musst gerne mit Menschen arbeiten wollen. Es braucht ein gutes Vorstellungsvermögen, wie ein Stück ungefähr werden sollte. Immer auf Augenhöhe bleiben, auf die Leute zugehen und gut zuhören. Auch ein Motivator sollte in einem Regisseur*in stecken.

 

Was machst du mit der freien Zeit?

Hanna: Ich freue mich, jetzt auch im Herbst auf Reisen gehen zu können. Das wird diesen Herbst die Oper «AIDA» in Verona sein. Und vermehrt Freunde und Verwandte treffen, lesen und jassen.

Chrigu: Spontan Gäste einladen, jassen, Ausflüge und Städtereisen unternehmen.

 

Vielen Dank euch beiden für das Interview und alles, was ihr für das Theater Auw geleistet habt. Alles Gute für die Zukunft. Wir freuen uns, dass ihr dem Theater Auw treu bleibt und der geschätzte Kontakt bestehen bleibt.

Für das Theater Auw: Roland Suter